„Niemals jeht man so janz…“

Als klar war, dass sich meine Zeit in Köln dem Ende zuneigen sollte, sprang mein Kopfkino an. Und je näher mein Wegzug rückte, desto schillernder malte ich mir den Umzugstag aus. Wäre ich Filmregisseurin, hätte ich wohl das Genre „Melodrama“ gewählt – und die Abschiedssequenz folgendermaßen gestaltet:

C. lässt einen letzten Blick über die ihr vertraute Straße in Köln-Sülz schweifen, die neun Jahre lang ihr Zuhause war. Dann steigt sie in den Umzugswagen, dessen Motor langsam aufheult. Der Lastwagen setzt sich in Bewegung. In Zeitlupe ein letzter Blick nach hinten – Schnitt – Ansicht C. von vorne, Tränen laufen übers Gesicht. Während sich die Fahrt fortsetzt, verdunkelt sich der Himmel, bis beim Ansteuern der Zoobrücke die ersten dicken Regentropfen vom Himmel fallen. C.s Blick schweift ab nach rechts: Blick auf den Dom. Der Himmel öffnet seine Pforten und Regen pladdert wie aus Kannen aufs Umzugsauto. Im Radio läuft eines dieser ganz sentimentalen Karnevalslieder: „… wat ooch passed, dat eine is doch klar, dat schönste, wat mer ham, schon all die lange Jahr‘…“ C. schluchzt bitterlich, dann nimmt der Lastwagen Kurs aufs Bergische, während der Dom langsam im Rückspiegel verschwindet…

In der Realität – wie sollte es auch anders sein – verlief der Tag dann doch gänzlich anders. Sehr unspektakulär. Doch die Melodramatik kann ich noch immer ganz gut.

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