Das Flaschenpost-Experiment

In den letzten Tagen des Jahres 2017 standen wir auf der Aggerbrücke am Overather Gut Eichthal und staunten über die Wassermassen, die da unter uns langbrausten. Wie wir von unserer Paddeltour vergangenen Sommer wissen, kann die Agger durchaus auch verdammt wenig Wasser führen 😉. Wir grübelten über die Wassergeschwindigkeit und wie lange es wohl dauern würde, auf der Agger zunächst bis zur Sieg und dann weiter bis zur Mündung in den Rhein zu treiben. Und dann kam die Idee mit der Flaschenpost.

Gesagt, getan

Die fertigen Flaschenpost-Flaschen samt Postkarten

In den nächsten Tagen trieben wir zwei passende Flaschen auf und schrieben eine kurze Nachricht auf zwei an uns selbst adressierte, frankierte Postkarten. Dann ab damit in die Flasche. Unterdessen war der Wasserstand in der Agger nochmal gestiegen und in Köln herrschte schon Hochwasser. Im Prinzip gut, denn dann haben die Flüsse ordentlich Schubkraft. Andererseits – was, wenn die Flaschen ans Ufer gespült werden und dort mit abfallendem Pegel hängenbleiben? Oder zerbrechen? Oder als Müll entsorgt werden?

 

Die Flaschenpost beim Wurf in die AggerWie auch immer: Gute Pläne soll man nicht aufschieben. Also warfen wir am Tag vor Silvester 2017 die beiden Flaschen von der Brücke an Gut Eichthal  in die Agger.

Die Tage vergingen…

In den nächsten Tagen war es DAS Gesprächsthema: Ob die Flaschen wohl gestrandet waren oder tatsächlich noch irgendwo trieben? Oder untergegangen waren? Wieder einmal erzählte ich die Geschichte von der Flaschenpost, die ich 1992 vor Langeoog in die Nordsee warf und deren Finder mir nicht nur per Brief antwortete, sondern den ich sogar auf kuriose Weise kennenlernte. ABER DAS IST EINE ANDERE GESCHICHTE 😉 Der Januar verstrich, das Hochwasser an Rhein und Nebenflüssen legte sich – und die Flaschenpost geriet allmählich in Vergessenheit.

Und dann…

Anfang Februar, die Gedanken drehten sich gerade hauptsächlich um den bevorstehenden Karneval, fischte ich einen Stapel Werbe- und Anzeigenblättchen aus dem Briefkasten. Und kurz bevor ich den Packen ins Altpapier beförderte, fiel mein Blick noch auf eine kleine, leicht knitterige Karte mit einem Leoparden darauf 😊. Der Hammer: Eine unserer Karten war zurückgekommen! Und nicht nur das: Neben Namen und Anschrift des Finders enthielt die Karte den exakten Fundort samt GPS-Koordinaten: BG: N 51° 36‘ 42,5‘‘ | LG: O 6° 34‘ 36,35‘‘.

180 km auf dem Wasserweg

Einmal kurz rekapituliert: Die Flasche war also tatsächlich von der Agger in die Sieg getrieben, dann bei Troisdorf in den Rhein, vorbei an Köln, Leverkusen, Düsseldorf, Krefeld, dem Duisburger Hafen und am 28.1.2018 auf einem Vorflutgelände bei Rheinberg gestrandet! Knapp 180 km hatte die Flasche also innerhalb von vier Wochen auf dem Wasserweg zurückgelegt – also mal eben vom Bergischen Land zum Niederrhein! Selbstredend erhielt der Finder von uns umgehend eine Dankeschön-Karte zurück, in der wir dann auch preisgaben, wo die Flaschenpost ihren Anfang nahm. Es entwickelte sich ein netter Austausch per Email. Und so erfuhren wir, dass der Finder vor 25 Jahren in …. Tadaaaa… Overath gelebt hat.

5 Antworten auf „Das Flaschenpost-Experiment“

  1. 180 km, eine reife Leistung! Joachim Römer hat für den Rhein mal eine durchschnittliche Reisestrecke von 25 km errechnet. Aber so ein Hochwasser hat ja auch ordentlich Schmackes. 🙂
    Gibt es inzwischen eine Nachricht von der zweiten Flaschenpost?

    Kollegiale Grüße
    Peter

    1. Hallo Peter, oh tatsächlich? 25 km durchschnittliche Reisestrecke auf dem Rhein? Dann ziehe ich noch einmal mehr den Hut vor meiner Flaschenpost 🙂
      Von der zweiten Flaschenpost haben wir leider nichts mehr gehört. Meine Jungs sind der festen Überzeugung, sie ist bis bis zur Rheinmündung geschwommen und schippert jetzt auf dem Atlantik nach Amerika. 🙂

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