Der Wald vor meiner Haustür

Meine Netzwerk-Kollegin Silke Bicker hat eine Blogaktion ins Leben gerufen. Das Thema: „Vom Wert der Natur in der Selbstständigkeit“. Keine Frage, da musste ich teilnehmen.

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Neulich habe ich nachgezählt: 13 Schritte sind es von meinem Schreibtisch ins Badezimmer. 32 Schritte von meinem Bett in die Küche. 38 Schritte vom Schreibtisch auf die Terrasse – und nur 40 Schritte von meiner Haustür bis in den Wald. Es ist nah genug, in einer Arbeitspause mit der Kaffeetasse in der Hand kurz mal hinüberzuschlendern, einen tiefen Atemzug zu nehmen, einmal zur Linken bergauf, zur Rechten bergab zu schauen, den Geräuschen zu lauschen und den Gedanken freien Lauf zu lassen. Danach, zurück am Schreibtisch, geht alles wieder etwas leichter von der Hand. Daher wurde dieser kurze Waldgang schon bald zu einer Gewohnheit.

Zwischen Schluchten und Totholz

Nun gibt es ja „Wald“ und „Wald“. Der Wald vor meiner Haustür gehört definitiv nicht zur Kategorie „lieblicher Spaziergehwald“. Alles andere als das. Sobald man sich am Ende unserer Sackgasse an den ersten zwei Baumreihen vorbeischlängelt, eröffnet sich eine Senke – von uns nur „die Schlucht“ genannt. Mehr als einmal schon habe ich mich hier auf die Nase gelegt, beim Versuch, den Hügel bis zum Bach hinunterzusteigen. Denn die Schlucht ist nicht nur holprig, sondern fast immer matschig, rutschig und vor allem ziemlich steil. An den Hängen wuchert zwischen abgekrachten Ästen und Totholz stachliger Ilex und bei entsprechender Witterung gibt es hier Kröten und Feuersalamander, vielleicht auch Ringelnattern zu entdecken. Hin und wieder sieht man Rehe auf dem gegenüberliegenden Hang.

Bäume wie Kathedralen

Bald begann ich, tiefer in den Wald einzudringen. Zur Linken, dem schmalen und sehr steilen Pfad nach oben folgend, vorbei am Nachbargrundstück, einige Schritte durch einen wahren Tunnel aus Ilex und Brombeeren und immer weiter hinein in den Wald. Bis dorthin, wo die Bäume wie Kathedralen stehen. Irgendwann ließ ich bei meinen Gängen die Kaffeetasse zu Hause, packte stattdessen eine Kamera ein und stellte mein Schuhwerk auf Gummistiefel um.

Den Wald neu kartieren

Die Gänge wurden länger, mein Feingefühl für den Wald und seine Winkel und Geräusche immer ausgeprägter. Ich bekam feine Antennen für die jahreszeitlichen Veränderungen des Waldes. Und ganz unmerklich begann ich, den Wald für mich selbst neu zu kartieren und mir meine ganz eigenen Wald-Wegmarken zu setzen. Unweit der „Schlucht“ gibt es da zum Beispiel den „Krater“, etwas weiter oben den „traurigen Baum“ und die Fliegenpilz-Fundstelle. Noch weiter bergauf kommt der kleine Nadelbaum-Hain, der besonders knarzende Baum, die „Wand“ voller Moos, der Baumstumpf-Sessel, der Farnteppich. Zu den glücklichsten Momenten gehört es für mich, mich an einer schönen Stelle im Wald einmal kurz hinzusetzen, meinen Hund eng neben mir, und einfach nur hier zu sein – und nicht am Schreibtisch.

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